I. Vom Koerper

Es ist ein oft wiederholtes Wort, dass wir in der Antike die besten und unwiderleglichen Beispiele für eine schöne und unverkümmerte Leiblichkeit besitzen, die auch für heute noch genau so mustergiltig sei wie vor 2000 Jahren. Im Sinne stimmt das wohl durchaus. Doch sollte gerade der, der ihm zustimmt, genau die Einschränkungen kennen; die diese Behauptung erfahren muss, um nicht gedankenlos mit der Antike wie mit einem Metermass umzugehen. Rein anatomisch stimmen wohl die Menschen der Antike mit unseren heutigen Menschen überein, bis auf gewisse Rassenunterschiede und die stärkere Ausbildung gewisser Muskel- oder Knochenteile, die zum Teil auf eine grössere Uebung derselben zurückzuführen sein mag. Ferner hatte sich in dieser Kunstepoche ein ausgesprochener Kanon für die Körperauffassung gebildet, so dass im allgemeinen die antike Skulptur ihre Proportionen und Körperteile mehr von einem Typus, als einem einzelnen Zufallsindividuum nahm. Ziehe ich hier zum Beginn die Antike zu Rate, so muss dies mit Bewusstsein ihrer Sonderheiten geschehen.


Abb. 1

Nehmen wir da zunächst als ein möglichst bekanntes Beispiel die milonische Venus (Abb. 1). Sie gilt als eines der schönsten Werke, die wir aus der nachpraxiteleischen Zeit besitzen. Und doch wäre es wohl durchaus unrichtig, sie als Norm und Massstab für den Durchschnittskörper der Lebenden aufzustellen. Sie war das auch nicht im vierten Jahrhundert vor Christus in Hellas. Auch damals war sie eine ins Titanenhafte gesteigerte Menschlichkeit, nicht eine Porträtstatue und noch viel weniger der Durchschnitt.

Aber die Analyse ihres anatomischen Baues ergiebt dieselben Resultate, wie beim heutigen Menschen. Gewisse durch sorgfältige Messungen erkannte Abweichungen sind dem blossen Auge nicht sichtbar.


Abb. 2 und 3

Im Aufbau der Knochen und Muskeln zeigen männlicher und weiblicher Körper wenig Unterschiede. Betrachtet man daraufhin antike Skulpturen und dann Photographien von ganz frei entwickelten Körpern von Lebenden, so wird man bemerken, dass die Konturen des Oberkörpers von den Achseln bis zu den Hüften zwar in weicher Wellenlinie, aber im grossen und ganzen parallel laufen. Und zwar beim männlichen und weiblichen Körper in nahezu gleicher Weise. Das Zustandekommen dieser Kontur gilt es zunächst zu untersuchen.

Zu diesem Zweck wird es notwendig sein, sie anatomisch analy sierend zu erklären, indem wir zunächst die Organe betrachten, die den Körpern beider Geschlechter gemeinsam sind. Direkte Ansicht von vorn und reine Profilansicht geben die beiden verschiedensten Ansichten, in denen uns die Kontur des Oberkörpers erscheinen kann. Zunächst betrachte man die knöcherne Unterlage des Körpers, genau von vorn besehen. Man wird bemerken, dass (auf Abb. 4) der Rippenkorb (c) oben (a) ziemlich eng beginnt und sich nach unten zu (b) erweitert. Seine weiteste Stelle liegt an oder doch nahezu an seiner unteren Basis. Es folgt dann ein etwa handbreiter Raum (d), der, abgesehen von der in der Körpermitte herablaufenden Säule des Rückgrates (V), ohne Knochen an der Peripherie des Körpers ist, ein im weiteren Verfolg unserer Untersuchungen äusserst wichtig werdendes Moment. — Die Führung der Kontur übernimmt nun, immer gemeint in der Ansicht von vorn, eine kurze Zeit lang die Darmbeinschaufel (os ilium = I) des Beckens und zwar eigentlich nur ihre obere Kante, die crista iliaca (c. i). Von hier verlässt die Kontur den Beckenknochen, um ihn nicht wieder zu berühren. Man sieht, dass die Kontur der Hüfte in keiner Weise mit der des Beckenknochens zusammenfällt, sondern diese nur einmal tangiert.


Abb. 5

Betrachtet man dann die äussere Kontur, die durch die Muskeln im rechten Bilde entsteht, so wird man sehen, dass von einer besonders engen Stelle des Rumpfes im Sinne einer „Taille'', nichts zu bemerken ist. Schon die Knochen weisen auf ziemlich parallele Kontur hin. Aber auch der kleine Zwischenraum, der zwischen Rippen- und Beckenknochen liegt, ist reichlich ausgefüllt. Einmal füllen die Eingeweide den Hohlraum der Bauchhöhle. Dann tragen die flachen Muskeln, die den Bauch umgeben, noch mehr zum Ausgleich bei, so dass die Konturen von den Achseln bis zum Darmbein als annähernd parallele Linien mit nur leichter Schweifung erscheinen.

Von dem Darmbeinkamm aus läuft die Kontur nach unten wieder ein wenig divergierend auseinander. Jedoch ist der Endpunkt dieser Verbreiterung nicht mehr ein Beckenknochen, son dern der Oberschenkelknochen und zwar dessen ,,Rollhügel'' (trochanter major), der sowohl beim Manne wie beim Weibe die breiteste Hüftstelle bezeichnet. Dies das Gemeinsame. Auf die Unterschiede kommen wir noch zu sprechen.

Halten wir nun der Anschaulichkeit halber schon hier einmal die Körperform daneben, die nicht allein unsere allgemeine Frauentracht, sondern auch die rohen allgemeinen Vorstellungen vom Frauenkörper voraussetzen. In denen nähert sich der Oberkörper stets einem auf die Spitze gestellten Kegel, während die Darmbeinschaufeln weit vorspringen, was offenbar für ein Zeichen von Schönheit gehalten werden soll.


Abb. 6

Abb. 6 ist die Momentaufnahme einer beliebigen Strassenerscheinung, die Niemandem als etwas besonders Auffälliges erscheinen würde. Dem entspricht genau Abb. 10 eine jener Pariser Photographien von „schönen'' Frauen, deren rasender Absatz beweist, wie sehr sie das Schönheitsideal der Menge darstellen. Abb. 5 ist eine schematische Darstellung des hier zu Grunde liegenden Körperprinzips. Abb. 8 und 9 sind zum anschaulichen Vergleich neben 7 gesetzt. Es sind zwei jugendliche Körper, deren Knochen- und Muskel-anlage jedoch schon so vollkommen fertig da ist, dass bei ihrer späteren Entwicklung daran sich nichts mehr verschieben kann. Was noch vor sich geht, ist nur das weitere Wachstum der Brüste. Ob eine wesentlich stärkere Fettbildung im allgemeinen stattfindet, hängt von der individuellen Disposition ab.


Abb. 7 und 8

 


Abb. 9

Abb. 10

Von den vorspringenden Darmbeinschaufeln (J, Abb. 5) spricht der Volksmund als von „den Hüften der Frau''. Wir werden im folgenden sehen, was für konfuse Vorstellungen dem zu Grunde liegen. Eine Form, die die Linie a unserer Abbild ung rechtfertigte, besässe aber zum ersten nicht die weite Oeffnung des Rippenkorbes, von der ich oben sprach und zum zweiten wäre in derselben nirgends Platz für die gesamte Bauchmuskulatur und die Eingeweide. Die Schwellung dieser Bauchmuskeln fällt nämlich nicht etwa mit dem os ilium zusammen, sondern sie setzt auf dessen oberem Rande erst an und bilden nun ihrerseits eine neue Rundung über den Darmbeinschaufeln, wie dies aus Abb. 3 zu erkennen ist.

Diese Verbreiterung über den Hüftbeinen (also da, wo der heutige Mensch ein Zusammenengen, die „Taille'' vermutet) findet man ganz ausgesprochen stark bei der Antike, während sie beim modernen Menschen schwächer ist.


Abb. 11

Man sieht deutlich überall die Verbreiterung über dem Rande des Hüftbeins, mit der eine andere für die Antike sehr charakteristische Linie zusammenhängt, welche von dem Auftreffen der Kontur auf die Crista iliaca medianwärts bis zur spina superior anterior läuft, etwa in der Gegend, wo die untersten medianwärts gelegenen Muskelfasern des m. abdominis obliquus endigen, dort ihre Richtung ändert, im Winkel von 45° wieder medianvnärts abwärts steigt und dort entweder mit dem ligamentum inguinale gemeinsam verläuft oder einige Finger breit höher die Bauchwand durchquert, um dort mit der entsprechenden Linie der andern Seite sich zu vereinigen. Man findet derartig aus-gesprochen diese Linie beim heutigen Menschen nur ganz selten. Für ihr Vorkommen liegen folgende Vermutungen vor. Einmal wird der obere Rand der Darmbeinschaufel stark nach aussen umgebogen sein, was das starke Vorspringen des M. abdominis obliquus rechtfertigt, dessen stärkere Ausbildung ebenfalls das Bild noch verstärkt. Ferner mag eine geringere Beckenneigung, als wir sie heut beim Lebenden meist konstatieren, dem Zustandekommen der Linie günstig sein. Endlich mag auch der griechische Bildhauer in ihr ein wesentliches plastisches Moment gesehen haben, um den Rumpf deutlicher von den unteren Extremitäten zu trennen. Denn diese Linie bezeichnet topographisch die Grenzlinie zwischen beiden, ist deshalb also für den bildenden Künstler von grosser Wichtigkeit.

Bei normaler Ausbildung der Muskeln ist also ein eigentliches Vorspringen des Hüftbeinkamms wie auf Abb. 10 nicht möglich. Allerdings ist beim weiblichen Körper das Becken im Verhältnis meist breiter. Doch hat dies mit der Frage der ,,Taille'' nichts zu thun, da die Folge davon nur ist, dass die Konturen des Körpers vom Brustkorb ab nach unten etwas mehr auseinander gehen.

Es ist eines der Schlagworte, mit denen für die Taille der Frau gekämpft wird: jenes Frauenideal, wie es etwa Botticelli und Burne-Jones verkörpert haben, gleichmässig schlank, ohne Einschnürung in der Mitte, bezw. Ausladen nach oben und unten, sei engbrüstig und hüftenlos, d. h. schwindsüchtig und nicht gebärtüchtig und darum „Iebensfeindlich'', „decadent''. Hier verbirgt sich unter der Maske der Wissenschaftlichkeit, der „gesunden Naturanschauung'' vüllige Gedankenlosigkeit und grenzenlose Oberflächlichkeit. An der Stelle des Körpers, auf die der Volksglaube die „Breite der Brust" verlegt, d. h. zwischen der ersten und vierten Rippe, ist der Rippenkorb eng, so eng, dass die oberste Rippe (wie Abb. 2 und 4 zeigt) in den Hals, oberhalb des Schlüsselbeins, hinaufsteigt. Die Breite des oberen äusseren Brustumfangs hängt von Schlüsselbein, Schulterblatt und den Muskeln, die vom Brustkorb zu diesen führen, ab, hauptsächlich dem grossen Brustmuskel, breitesten Rückenmuskel und grossen Sägemuskel, d, h. Muskeln; die der Bewegung der oberen Extremität dienen. Die wirkliche Breite des Brustkorbs dagegen und ebenso der Lungensäcke, die ihm in ihrer Form vollkommen folgen, liegt gerade da, wo der Körper durch das Korset zusammengeschnürt wird. Die oberen Rippen sind weniger nach abwärts geneigt und mit dem Schlüsselbein in so festem Kontakt, dass sie zur Ausdehnung des Brustkorbes bei der Atmung weniger beitragen können. Diese haben die untern zu besorgen, ausgerechnet die, welche, frei entwickelt, jede Taillenfigur unmöglich machen. Wie oberflächlich die Begriffsverbindung „engbrüstig" und „schwindsüchtig'' ist, geht nebenbei daraus hervor, dass wir gerade sogenannte „breitbrüstige'', d, h. besser breitschultrige Individuen in grosser Zahl unter den Schwindsüchtigen antreffen. Um dem üblichen Missverständnis vorzubeugen: es soll durchaus nicht eine schmale Brust als vorbildlich oder besonders schön hingestellt werden, sondern ausschliesslich der Irrtum bekämpft werden, als seien ebenmässig schlanke Figuren, für die der Name Burne-Jones-Figur typisch geworden ist, schmalbrüstig. Man sehe eine Figur wie Abb. S s an, um zu erkennen, dass solche Gestalten im Grunde einen besser entwickelten Brustkorb besitzen, als unser sogenannter breitbrüstiger Durchschnitt.

Zweitens „schmalhüftig'' und „nicht gebärfähig". Wie wir vorhin sahen, tritt vom Becken nur der obere Rand der Darmbeinschaufel an die Körperoberfläche heran. Diese schräg nach aussen geneigte Darmbeinschaufel dient in ihrer seitlichen Ausdehnung vorwiegend zum Tragen der Eingeweide, ihr Rand zum Ansetzen von Muskeln. Der Abstand der beiden äussern Darmbeinkämme hat mit dem glücklichen Ausgang einer Geburt nicht das allergeringste zu thun. Vielmehr hängt dieser von der Weite des innern Beckendurchmessers ab — noch mehr von der allgemeinen Gesundheit der Mutter. Es ist nicht möglich, einem Laien die komplizierten Verhältnisse der innern Beckenbildung klar zu machen. Es muss genügen, zu sagen, dass die äussere Kante der Darmbeinschaufel an der Bildung des Weges, den das Kind bei der Geburt zu passieren hat, überhaupt nicht Teil nimmt. Auch die Annahme wäre irrig, dass die Ausladung des Darmbeins ein sicheres Anzeichen für die Weite dieses Durchgangs bilde: es kann steiler oder flacher gestellt, mehr oder minder stark sein. Die innere Beckenbildung ist davon unabhängig. Die Erfahrung der Gynäkologen sagt durchgängig, dass eine mittlere Breite des äusseren Beckenumfangs am ehesten eine glückliche Disposition für den Geburtsvorgang wahrscheinlich macht.

Aber ganz abgesehen davon entsteht dasjenige, was wir als die „breiten, kräftigen Hüften einer zum Mutterberuf tauglichen Frau'' mit mehr oder minderem Pathos zu preisen und als das „Gesündeste'' unserm „ungesunden'' Geschmack als Vorbild aufzunötigen gewohnt sind, gar nicht durch Beckenknochen, sondern durch — Oberschenkelknochen! Abb, 12 und 13 wird ein Bild davon geben, 13 ist die Beinknochenform bei schmalen, 12 bei breiten Hüften. Die steilere Stellung des Schenkelhalses (die Stelle von a bis b) drückt den Trochanter (den Schenkelkopf bei b) weniger, die flachere Stellung drückt ihn mehr hinaus. Dass die dadurch entstehende breitere oder schmälere „Hüfte" für schwere oder leichte Geburten nicht in Frage kommt, müsste bei einigem Nachdenken doch einem jeden einleuchten.


Abb. 12 und 13

Man sieht, die breite und die schmale Hüfte unterscheiden sich als derb einerseits und schlank und edel anderseits, nicht als gesund und krankhaft, wie die Gegner der schmalen Hüften d. h. in Wahrheit: die Freunde der Taille, behaupten möchten. Im Gegenteil erscheint sogar vom statischen Standpunkt aus die breitere Trochanterstellung als die schlechtere. Die zur Tragrichtung des Beines quere Stellung des Ansatzhebels disponiert viel mehr zum Bruch dieser wichtigen und bei einer Operation schwer zu erreichenden Stelle. Besonders im Alter, wenn die Knochen morsch werden, kann ein solcher schlecht gestellter Schenkelhals beim einfachen Sprung abbrechen, während ein steiler gestellter den Stoss vorteilhafter auffängt.


Abb. 14

In den bei weitem meisten Fällen wird die zur breiten Hüfte nötige Schenkelstellung eine Folge von Rhachitis („englischer Krankheit'') sein. Bekanntlich tritt diese sehr häufig, meist in Folge schlechter Ernährung, im frühen Kindesalter auf und äussert sich in einem zu geringen Erhärten der Knochen, die deshalb auf längere Zeit hinaus weich und biegsam bleiben. Es leuchtet ohne weiteres ein, dass, wenn ein rhachitisches Kind zu früh die Last des Körpers auf seinen Beinen tragen muss, die Knochen in Gefahr kommen, sich durchzubiegen, und dann bei der Heilung in dieser gebogenen Stellung erhärten. Die am einfachsten wahrnehmbare Durchbiegung zeigt sich in der Form der O-Beine. Ebenso aber biegt sich das collum femoris (Abb. 12 a b) sehr leicht durch, wenn die Körperlast auf den Hebelarm bei b drückt und dadurch Punkt a sinkt, was nebenbei auch noch eine gewisse Verkürzung der gesamten Körperlänge zur Folge haben muss. Es ist wahrscheinlich, dass bei dieser Lagerung sogar leicht eine Verengung der unteren Beckenöffnung nebenher geht, so dass die grosse Breite in dieser Gegend der Hüfte hie und da eher auf ein Geburtshindernis hindeuten mag, als auf das Gegenteil.


Abb. 15

Noch ein anderer, im wesentlichen ästhetischer Fehler geht mit dieser breiten Trochanterstellung Hand in Hand. Es ist leicht ersichtlich, dass mit dem Auseinanderrücken der beiden Oberschenkelknochen (des corpus femoris) ein Klaffen der inneren Konturen des Beines verbunden sein muss. Das normale und schöne Bein berührt sowohl beim Weibe als beim Manne in der ganzen Länge des Oberschenkels das benachbarte. Als Beleg dafür dienen sowohl die Antiken (wie Abb. 40) als die Photographien nach Lebenden. Ein Beispiel für unvollkommenen Schenkelschluss bietet Abb. 14, bei dem jedoch die Entfernung der beiden Trochanter noch durchaus eine mässige und demgemäss die Entfernung der Schenkel eine nicht extreme ist. Zum Vergleich daneben z Abbildungen mit gutem Schenkelschluss (Abb, 15 und 16).

Eine dritte Folge der grösseren Entfernung der Trochanter durch Durchbiegung des collum femoris sind X-Beine. Es ist leicht einzusehen, dass, wenn sich die oberen Enden der Oberschenkel entfernen, die Kniee aber ihren Schluss behalten, die X-Form eintreten muss, die zum Gehen und Laufen die allerungeeignetste ist, so dass hier wieder der ästhetische Fehler der sichtbare Anzeiger für den Zweckmässigkeitsfehler ist.

Man sieht aus alledem, dass bei Lichte besehen die „breite Hüfte'' weder auf erhöhte Gebärfähigkeit noch auf sonstige physiologische Vorzüge hinweist, sondern eher auf das Gegenteil. Wenn orientalische Völker im Gegensatz zu nordisch-arischen die breite Hüfte als schön besingen, so hat sich der Geschmack am Rassentypus gebildet, von dem man aber in keiner Weise beweisen kann, dass er der entwicklungsfähigere, höhere sei.


Abb. 16

Abb. 17 und 18

Die zweite Aufgabe bildet die Untersuchung der Profilansicht. Die Rückenkontur des Rumpfes folgt vollkommen den Spitzen der Dornfortsätze der Wirbelsäule. Zwei nach aussen gebogene Krümmungen, eine grössere a im Gebiet des Brustkorbs, eine kleinere b im Gebiet des Beckens, sind verbunden durch eine einwärts gebogene c im Gebiet der Lende. Die Kurven sind äusserst flach und die Uebergänge unbemerkbar (siehe Abb. 82, 83, 84). In Wahrheit ist der Rhythmus ein so raffinierter, dass man ihn auf keine mathematische Kurve reduzieren kann. Aber am allerwenigsten kann irgendwo von einem Knick die Rede sein, was im weiteren Verlauf von Wichtigkeit sein wird.


Abb. 19

An der Vorderseite der Profilkontur wird die Linie eine Strecke weit durch den Rippenkorb gebildet, der sich, ebenso wie von vorn, nach unten zu weit öffnet und sich nach oben zu spitzt. Von der unteren Spitze des Brustbeins (st) bis zur Symphysis der Schambeine (s) fehlt in der Profilkontur jede knöcherne Unterlage. Die vordere obere Spitze der Darmbeinschaufel, die spina superior anterior, (s s a) tritt in der Profilansicht nur etwas über die Mitte des Körpers heraus, wie es im Durchschnitt etwa Abb. 19 zeigt. Bedeutet die schattierte Fläche den Hüftgürtel (d. h. die Beckenknochen) so giebt y etwa die vordere Kontur des Bauches. Verbindet man die beiden vorderen Spitzen (s s a) mit einer Linie a ß, so bleibt der dadurch abgeschnittene Teil des Leibes vor der stützenden Knochenunterlage. In dieser nach vorne vollkommen offenen und nur unten durch die Darmbeinschaufeln geschlossenen Höhle lagern die Eingeweide. Die ganze vordere Wand wird ausschliesslich von Muskeln und Sehnen gebildet. Diese Muskeln mit ihren Sehnen bilden ein sinnreich geflochtenes System von breiten Bändern, die von oben nach unten, quer und diagonal übereinandergreifen. Die Profilkontur wird vom m. rectus abdominis gebildet (auf Abb. 20 und 21 = r). Da beim aufrecht stehenden Menschen die Schambeinsymphyse etwas weiter rückwärts liegt, als das untere Ende des Brustbeins, so wäre seine Richtung die einer nach hinten abwärts steigenden Geraden, wenn nicht der Druck von innen ihm eine leise Wölbung nach aussen gäbe. Der mit starken Sehnen durchsetzte und mit den queren Bauchmuskeln sehnig verbundene Muskel ist beim gesunden Menschen und zwar gleicherweise bei Mann und Weib stark genug, um den Druck der Eingeweide zu tragen, ohne sieh mehr als ganz leise nach vorn auszuwölben. Seine Linie wird dadurch zum besonders prägnanten Ausdruck straffer und gesunder Frische. Bei Antiken sieht man sie in grosser Schönheit. Physiologisch ist der aktive Druck der Muskeln (die sogen. Bauchpresse) gegen den passiven Widerstand der Eingeweide von höchster Wichtigkeit für die Verdauung und somit für die ganze Gesundheit. Nur eine krankhafte Fettbildung zwischen Muskel und Eingeweiden in der sog. Bauchhöhle erzeugt jene starke Auswölbung nach vorn, die wir gemeinhin Bauch nennen.

Nun denke man sich, dass der gerade Zug des geraden Bauchmuskels vom Brustbeinende bis zur Schambeinsymphyse herab unterbrochen wird durch einen Widerstand, der in der Mitte auf die flache Kurve auftrifft. Auf Abb. 21 wird die Wirkung klar werden. Der Pfeil mit „w'' bezeichnet die Druckrichtung des hier Halt suchenden Kleidungsstückes. Zunächst wird die eine Kurve in zwei geteilt, je stärker aber der Widerstand nach hinten eindringt, um so tiefer wird ;sich w in den hier ungeschützten Körper einfurchen, wie es aus der Zeichnung ersichtlich. Wird nun in der oberen Hälfte der Kurve die Ausbauchung nach vorn verhindert, so muss sich die verdrängte Masse unten um so stärker vorschieben. Die Wirkung des Muskels und somit der gesamten Bauchpresse wird dadurch lahmgelegt und als sichtbares Anzeichen dieses Schadens die schöne Linie zerstört, in der wir vorhin einen besonderen Ausdruck von Frische und Gesundheit sahen. Ich verweise hier schon als Anschauungsmaterial auf Abb. 21, die später noch zu einem andern Zweck dient.

Die Zeichnung auf Abb. 21 stellt nicht mehr als eine ganz mässige Verschnürung dar, die im Leben durchaus als der bessere Durchschnitt gelten muss. Man beachte die punktierte Kleidungs-linie, um sich davon zu überzeugen und sehe dann wie sich die vordere innere Bauchwand dem Rückgrat(V) nähert. Man bedenke, dass dieses eine bedeutende Tiefenausdehnung besitzt. Die dünne Linie (Abb. 20) in der Mitte des Körpers zwischen Brustkorb und Beckenrand bezeichnet seine vordere Kontur. Man wird sehen, dass auf dem rechten Bilde an dieser Stelle der Raum im Tiefendurchmesser fast auf die Hälfte reduziert ist. Die Folgen müsste sich doch eigentlich jedes Kind ableiten können.

Man beachte diese prinzipiellen Einwirkungen doch ja recht genau, um dann später zu ermessen, welch ungeheueren Unfug unsere herrschende Frauenkleidung bedeutet.

Abb. 20 Abb. 21
 
Abb. 22 Abb. 23

Der Vollständigkeit halber gebe ich hier noch die Knochen und Muskeln in der Rückenansicht. Ihre Kontur deckt sich mit der der Vorderansicht. Zu beachten ist die starke und zur Aufrechterhaltung des Körpers notwendige Rückenmuskulatur, die die Weichengegend durchzieht, aber, wie wir später sehen werden, vom Korset einfach geleugnet wird.


 

Abb. 24

Die eigentliche Hochburg der Taillenfreunde, die sie für uneinnehmbar, das Argument für die Notwendigkeit des Korsets, das sie für völlig unwiderleglich halten, der Grund für den enorm grossen Unterschied in der Brust- und Taillenweite, der ihnen indiskutabel erscheint, ist die Vorstellung von der Grösse der weiblichen Brüste und ihrer Unfähigkeit sich selbst zu tragen. Wenn es wahr wäre, dass die Frau das Korset zur Stütze ihrer Brüste bedürfte, so wäre jedes Korset das Eingeständnis einer Brust, die ihre Schönheit eingebüsst hat. Denn nur Brüste, die so fest und prall sind, dass sie der Idee, sich von fremder Hilfe tragen zu lassen, spotten können, haben Anspruch auf Schönheit. Es ist nicht anzunehmen, dass sie so selten sind, wie die Zahl der Korsets zu beweisen scheint. Freilich, das Korset züchtet die schlaffen Brüste. Denn eine Brust, die sich selbst tragen kann und sollte, verliert, wenn man ihr ohne jede Notwendigkeit. eine Stütze giebt, mit der Zeit ihre eigene Tragfähigkeit, wie Einer den Gebrauch seiner Beine verlieren würde, wenn er immer an Krücken ginge. Es ist einfach nur ein Vorwand, dass die Brüste jeder Frau, ja sogar schon der Jungfrau eine Stütze nötig haben (von Büstenhaltern für ältere Frauen reden wir noch später). In Wahrheit dient das Korset erst dazu, die Brüste so gross erscheinen zu lassen, als ob sie der Stütze bedürften.


Abb. 25

Denn hier kommen wir zum ungeheuerlichsten, seltsamsten und traurigsten Punkte der herrschenden Irrtümer über den Frauenkörper: die Brust gilt für um so schöner, je grösser sie ist. Dies ist der ganze Grund der ungeheueren Mühen und Anstrengungen zur Erreichung der „Taille''. Der Beschauer soll eben die ganze Ausladung von der Taillenenge bis zur Brusthöhe für Volumen der Brüste halten.

Ich setze hier neben einen nackten in der Taille. schon recht stark verschnürten Körper mit ziemlich voller Brust einen bekleideten, dessen Proportionen ihm ungefähr entsprechen (Abb. 26 u. 27). Man wird sehen, dass die Ausladung der Brust beim bekleideten Körper ungleich aufdringlicher zum Ausdruck kommt, als beim nackten, weil die Kleidung die künstlich geschaffene Taillenlinie für die Brustlinie zu Hilfe nimmt. Nebenbei wird man bei diesem Vergleich sehen, dass die Taille der bekleideten Figur, die doch durchaus der Norm der Erscheinung in unserer Gesellschaft entspricht, noch ein gewaltiges Stück enger ist, als beim nackten Körper daneben. Und wie abschreckend ist der schon entstellt I Zum Vergleich daneben (Abb. 28) wie immer ein annähernd normaler Körper. Ist es beim täglichen Anblick von solchen bekleideten Erscheinungen ein Wunder, wenn sich die Vorstellungen von dem wirklichen Umfang der weiblichen Brust vollkommen verkehrt haben?

Abb. 26 Abb. 27

 

Abb. 28
 

Abb. 29

Abb. 30

Abb. 31

Zur noch deutlicheren Demonstration einen zweiten Vergleich von drei Abbildungen, die dasselbe Bild ergeben (Abb. 29, 30, 31). Hier ist die Stelle der Hüfte noch besonders interessant. Trotzdem die herausgeschnürte Hüftlinie der linken Figur doch schon sehr hässlich ist, entspricht sie noch nicht annähernd dem, was die Kleidung im mittleren Bilde zeigt oder vortäuschen will. Wenn die Betreffende in dieser Kleidung sich plötzlich bewusst würde, was sie mit einer solchen Form ausdrückt, sie müsste doch nicht wissen, in welches Mauseloch sie sich vor Scham verkriechen sollte.

Es sollte für den, der von der Betrachtung bildender Kunst etwas als lebendige Vorstellung behält, nicht notwendig sein, die Form der weiblichen Brust und ihre Schönheit zu erläutern. Es ist so unglaublich barbarisch zu meinen, dass diese mit ihrer Grösse wüchse und grad so unsinnig, wie die später zu erörternde Meinung, dass die Schönheit des Fusses mit seiner Kleinheit stiege. Auch hier liegt die Schönheit lediglich in den richtigen Proportionen.

Man kann nicht einmal für einen bestimmten Körper einen Kanon aufstellen, von welcher Grösse die Brust sein sollte. Bei der Jungfrau ist sie nur Andeutung ihres zukünftigen Zweckes. Auch bei der Frau entwickelt sie sich nur zu einem ganz wenig grösserem Umfange, eine Entwickelung, die mit der des ganzen Körpers Hand in Hand geht und in natürlichem Zustande nicht annähernd die Maasse erreicht, die uns heute schon junge Mädchen durch ihre Kleidung vorspiegeln wollen. Das Stadium des Säugens ist doch nur ein ganz vorübergehender Zustand, und es muss im höchsten Grade absurd erscheinen, wenn junge Mädchen eine Kleidung tragen, die die Vorstellung eines solchen Zustandes erwecken muss. Man sehe sich doch die gesamten Abbildungen an, unter denen sich schon recht voll entwickelte Brüste befinden, ob die Konturen der äusseren Ausladung auch nur annähernd einen solchen Stützapparat rechtfertigen, wie unsere Korsetkleidung ihn darstellt.

Abb. 32 Abb. 33

Abb. 34

Abb. 35

Man betrachte die milonische Venus (Abb. 1) und die himmlische Liebe von Tizian (Abb. 36), die doch gewiss Beide den Typus des vollen, reifen Weibes darstellen, um zu begreifen, in welchem Widerspruch auch in diesem Punkte die allgemeine Vorstellung der bekleideten Frau zur Vorstellung der nackten Frau steht. Um dem sicheren, unausbleiblichen Missverständnis vielleicht doch etwas vorzubeugen, als ob das Buch nur allein die jungfräulich herbe, unentwickelte Gestalt in Betracht zöge, weise ich gerade auf diese beiden Beispiele mit besonderem Nachdruck hin. Wenn welche, so sind es die Tizian'schen Gestalten, welche das volle, üppige, zum Lebens- und Sinnengenuss geschaffene Weib darstellen. Und doch würde ihre Brust weder des Korsets zum Tragen bedürfen, noch würde sie auch nur annähernd den Raum ausfüllen, den unsere Frauenkleidung dafür schafft: absichtlich, künstlich und mühsam, mit der Absicht zu verschönert schafft, nicht etwa der Notwendigkeit gehorchend.


Abb. 36

Abb. 37

Die schönste Form der Brüste ist zweifellos die vollkommen gleichmässig gerundete, die ebenmässig in den Körper verläuft wie unsere Abb. 24, 25, 28, 31, 32, 33, 34, 35, 37, 38 es zeigen ohne unter oder gar über oder zwischen ihnen eine Falte auf kommen zu lassen. (Abb. 37 zeigt übrigens in der Weichengegend eine deutliche Rockbundfurche.) Brüste von der Grösse, wie sie unsere herrschende Kleidung vortäuschen will, könnten selbst. verständlich nicht ohne tiefe Falten und völlige Verschiebung ihrer runden Formen in eine schwammige Masse sein, die ihr Gewicht nicht selber tragen könnte. Sehnt sich die Frau wirklich so nach diesen Betrachtungen von Seiten ihrer Umgebung? Imübrigensindsolche Monstra lange nicht so häufig, als man nach dem gewohnheitsgemässen Bilde unserer Frauenkleidung annehmen sollte. Es ist nicht wahr, dass die normale Entwickelung der Frau dahin führen muss. In Fällen aber, in denen solche ausserordentlichen Bildungen vorkommen, hätten die davon Betroffenen weit eher Ursache, sie zu verhüllen, als gar noch hervorzuheben. Auf unschöne Bildungen des Körpers pflegt man doch nicht noch besonders aufmerksam zu machen.


Abb. 38

Abb. 39

Betrachtet man nach diesen Gesichtspunkten noch einige Antiken und Photographien nach Lebenden, so wird man alle Beobachtungen bestätigt finden. Von vorn besehen findet man die annähernde Parallelität der Konturen des Oberkörpers und von irgend einer Einengung an einer bestimmten Stelle des Körpers ist nichts zu sehen. Und trotz diesem Taillenmangel werden wir uns alle darüber einig sein, es mit wundervollen Menschenkörpern zu thun zu haben. Und zwar gleicherweise, ob es schlankere oder kräftigere Figuren sind; der absolute Mangel an Taille im Sinne einer Einengung an einer bestimmten Stelle ist stets der gleiche. Und Niemand wird angesichts solcher Leiber den Mut zu der Abgeschmacktheit finden, dass dieselben durch eine grössere Einengung in der Rumpfmitte an Schönheit gewinnen könnten.

Eines der schönsten Beispiele von schlanker Mädchenhaftigkeit ist die berühmte Vergine Vincitrice (Abb. 39) in der vatikanischen Sammlung. Es giebt wenige Plastiken, die so den Eindruck von höchster muskulöser Kraft und Gesundheit mit Zartheit verbinden.

Aehnliches sieht man bei den drei Grazien in der Dombibliothek zu Siena (Abb. 40), nach denen Raffael seine ersten Studien gemacht haben soll, und den übrigen hier mitgeteilten Körpern, die zwar alle keine Spur einer „Taille" haben, aber trotzdem überall als der Inbegriff von Schönheit des Körpers gelten.


Abb. 40
 
Abb. 42 Abb. 43
Abb. 44 Abb. 45

Bei der Gruppe der Nymphen aus dem Louvre (Abb. 44) scheint die Figur in der Rückenansicht allerdings eine Verbreiterung der Konturen des Rumpfes nach oben hin (den Achseln zu) zu zeigen. Der Grund dafür liegt an der Bewegung der aufgehobenen Arme. Nicht die Taille wird dadurch enger, sondern durch starke Hebung der Arme drehen sich die Schulterblätter nach aussen und dabei werden gewisse Muskeln (m. teres major und m. latissimus) nach aussen gedrängt, und dadurch tritt eine Verbreiterung des Rumpfes in der Achselgegend ein. Noch klarer wird die Ursache dieser Verbreiterung in der Ansicht von vorn, in der lateralwärts vom m, serratus anterior die genannten Muskeln wie zwei Flügel sich ausbreiten (s. Abb. 45).


Abb. 46

Abb. 47

Genau dieselben Formen finden wir nun auch bei modernen Kunstwerken der Künstler, die die Schönheit des Körpers begriffen, und ebenso bei den lebenden Menschen, die sich diese Schönheit bewahrt haben. Abb. 48 zeigt einen Körper, der eben erst dem Kindesalter entwächst. Bei ihm wie bei Abb. 49 zeigt sich keine Spur von einer Taille, sondern eine vollkommene Identität mit den Formen der Antike.

Abb. 48 Abb. 49

Bei Abb. 49 ist allerdings in der durchquerenden Richtung in der Höhe des Darmbeinkammes eine leichte Furchung sichtbar, die ganz sicher im Drucke eines Rockbundes (nicht eines Korsets) ihre Ursache hat. Es thut mir leid, hier keine ganz einwandfreie Abbildung in dieser Stellung zeigen zu können und ich kann es nur mit der Schwierigkeit erklären, überhaupt geeignetes Illustrationsmaterial zu bekommen.


Abb. 50

Abb. 51

Um dem zur geläufigen Phrase gewordenen Irrtum zu begegnen, dass der plastische Aufbau des männlichen und weiblichen Körpers in seinen Hauptverhältnissen ganz grundverschieden sei, setze ich noch einmal einen männlichen Torso neben einen weiblichen (Abb. 46, 47). Die Unterschiede braucht auch die Kleidung durchaus nicht zu verwischen, aber man begreife doch, dass nicht der männliche Rumpf ein Cylinder ist und der weibliche zwei mit der Spitze aufeinander gestellte Kegel sind, sondern dass alle die Organe, die bei Mann und Weib dem gleichen Lebenszwecke dienen, die gleichen anatomischen Grundformen besitzen, also alle mit Ausnahme der Geschlechtsteile und der (inneren) Form des Beckens.

Ganz einwandfrei ist Abb. 50, die eine halbe Wendung nach der Profilstellung zu macht. Eine ganz mustergültige Profilansicht ist Abb. 51, die auch nicht die leiseste Spur eines Eindrucks und einer Anschwellung in der Bauchgegend zeigt. Sehr instruktiv sind ferner Abb. 52 und 53, da sie den Oberkörper in nach vorn geneigter Stellung zeigen, wobei sich die Wirbelsäule wie ein Rohr biegt. Der Körper klappt hier nicht zusammen, wie Arm oder Bein im Gelenk, sondern das einheitliche Bild des Rumpfes bleibt gewahrt und wird selbst durch die Bauchfalte nicht zerstört. Eine im Korset gekleidete Frau kann eine so anmutige Biegung des Rumpfes überhaupt nicht ausführen. Als Beispiel von Vielen zeige ich noch zwei Werke von Burne Jones, die das Gesagte bestätigen werden. Auch bei ihnen wird niemand im Zweifel sein, dass dieser Körper auf der Grundform einer wundervollen harmonischen Menschenleiblichkeit aufgebaut ist. Wie es sich mit dem stereotypen Vorwurf der überschlanken Schwächlichkeit verhält, ist ja vorn eingehend besprochen worden (Seite 28). Der Körper sei schlank, edel, schön, alles wird man zugeben.


Abb. 52
 

Abb. 53
 

Abb. 54

Abb. 55